Auswirkungen von Corona auf Studierende - Die Rolle von Studierendenwerken (Gespräch mit Helmut Baumgartl; Seezeit)

Allgemein

Letzte Woche Dienstag hatten wir Seezeit Geschäftsführer Helmut Baumgartl bei uns zu Gast. Dabei hat er davon berichtet, wie sich die Corona-Pandemie auf die Arbeit des Studierendenwerks auswirkt und wie dieses arbeitet, um Studierende zu unterstützen und zu entlasten.

Anschließend hat Herr Baumgartl uns Rede und Antwort gestanden, von der Curry-Wurst an der Grill-Hütte, über die Kinderbetreuung bis hin zu Überbrückungshilfen für Studis, wurden wir informiert.

Uns hat die Veranstaltung viel Spaß gemacht und wir bedanken uns für informativen Austausch!

Eine Zusammenfassung des Gesprächs findet ihr hier.

Corona traf das Studierendenwerk parallel mit der regulären Einzugswelle im Sommersemester, zu der besonders internationale Studierende einziehen. Da viele von ihnen ihr Auslandssemester nicht antreten konnten, oder wollten, führte dies zu einer Reihe von Kündigungen und Nichteinzügen die 6-8% der Wohnungen betraf.

Gleichzeitig litten viele Mitarbeiter*innen an Unsicherheiten, die von Seiten der Geschäftsführung genommen werden mussten.

Seezeit ist Teil des DSW (dem Dachverband der Deutschen Studierendenwerke) und befindet sich zudem im wöchentlichen Austausch mit den anderen Studierendenwerken in Baden-Württemberg.

Besonders, damit Seezeit von den Studis nicht vergessen wird und nach dem Motto „Wenn die Studis nicht zum Essen kommen können, bringen wir das Essen zu den Studis“, hat Seezeit die Strandbar und die Grillhütten an Uni und HTWG geöffnet. Damit ist eine rudimentäre Versorgung sichergestellt.

Die aktuelle Zeit wird von Seezeit dafür genutzt, viele präventive Reparaturen im technischen Bereich vorzunehmen.

Kinderbetreuung:

Die Studierenden mit Kind an der Uni sind abhängig von der Betreuung. Leider hängt 70% der Finanzierung von den Seezeit Betreuungseinrichtungen an der Stadt, womit diese natürlich auch viel zu sagen hat. Momentan findet ein Halbtagsbetrieb statt, in dem jedes Kind mindestens einen halben Tag pro Woche betreut wird, damit es nicht entwöhnt wird.

Da es drei räumlich von einander getrennte Ebenen gibt, sinkt das Infektionsrisiko zwischen den einzelnen Gruppen. Es sind die Hälfte der Kinder wieder zur Betreuung aufgenommen, wobei Kinder von Studierenden bevorzugt werden (wobei vorschriftsmäßig zuerst die Kinder systemrelevanter Eltern aufgenommen werden mussten). Ende Juni können alle Kinder rollierend betreut werden. Geplant ist aktuell, ab der 1. Juli Woche alle Kinder wieder wie bisher zu betreuen. Ein Problem kann allerdings die Trennung der Einzelgruppen bei der Gartenzeit sein. Hier möchten wir Jusos unseren Dank an die Erzieher*innen richten, die wie uns berichtet wurde obwohl sie größtenteils zur Risikogruppe gehören, freiwillig weiterarbeiten und somit Kinderbetreuung ermöglichen und Studierende entlasten!

Finanzen:

  1. Überbrückungshilfen:

Leider können 450€ Jobler nicht in Kurzarbeit geschickt werde. Die Studierendenwerke, welche viele studentische Hilfskräfte beschäftigen, waren sich  der bevorstehenden Jobverluste für viele Studis mit Nebenjob bewusst, weshalb sie Anfang April über das DSW die Problematik an Frau Karliczek weitergegeben haben und vor finanziellen Belastungen für Studis gewarnt haben. (Seezeit hat wo es möglich war die Gehälter für März, April und Mai weitergezahlt). Die Mitarbeiter*innen von Seezeit wurden speziell zu Überbrückungshilfen geschult – die Bearbeitung erfolgt ab dem 25./26.06. Unsere Veranstaltung fand an demselben Tag statt, an dem die Überbrückungshilfen beantragt werden konnten. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs waren schon 20 formlose Anträge diesbezüglich bei der Sozialberatung eingegangen.

  1. Finanzen von Seezeit und den anderen Studierendenwerken

Seezeit kommt finanziell noch vergleichsweise gut über die Runden. Es wurde ein Fonds über 100.000€ für alle Studierendenwerke in Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt. Besonders aufgrund der vergleichsweisen geringen Summe, hat Seezeit keine Gelder beantragt. Allerdings hat das MWK sehr schnell Gelder für Corona-Präventionsmaßnahmen für die Studierendenwerke zur Verfügung gestellt.

  1. Nothilfe-Fonds + Härtefonds

Es gibt einen Nothilfe-Fonds, der regulär ca. 20.000€ enthält und von Seezeit verwaltet wird. Dieser wird für Studis verwendet, die ohne eigene Schuld in Not geraten sind, kurz vorm Studienabschluss stehen und ihn auch wahrscheinlich erreich können. Daraus können über maximal 3 Monate 300€/ pro Studi ausgezahlt werden.

Parallel gibt es den Härtefonds, über den 10mal 200€ vergeben werden können.

Normalerweise erreichen Seezeit ca. 3 Anträge pro Monat, aktuell sind es 25-30 (aufgrund der Corona-Pandemie).

  1. Bafög

Es erreichen das Studierendenwerk zurzeit viele Änderungsanträge bezüglich des Bafög - zur Not werden Vorauszahlungen gewährt. Es darf beim Bafög keine Corona-bedingten Nachteile geben (bspw. Wegen des Wegfalls des Nebenjobs etc.).

  1. Überbrückungshilfen

Die Überbrückungshilfen des Bundes können über Seezeit beantragt werden. Dabei wird sowohl der aktuelle Kontostand als auch der letzte Zuwachs auf dem Konto betrachtet. Die Studierendenwerke dürfen den Kontostand immer nur in hunderter-Beträgen aufstocken, bis maximal 500€ auf dem Konto vorhanden sind. Dies kann maximal 3mal erfolgen.

Wohnen:

Uns wurde versichert, dass niemand aus seinem Wohnheimzimmer fliegt, der Corona-bedingt seine/ihre Miete nicht mehr zahlen kann. Solltet ihr in einer solchen Notlage sein, nehmt Kontakt zu Seezeit auf!

Mensen/Cafeterien:

Seezeit plant parallel zu der schrittweisen Öffnung einen Betriebsausbau in der Mensa. Aktuell geben die Grillhütte und das Al Studente weit über 100 Essen pro Tag raus (dabei handelt es sich allerdings nicht um typische Pasta-Bar Gerichte, sondern um „reguläre“ Gerichte).

In 1-2 Wochen kann eventuell auch wieder eine Vor-Ort Verzehrung stattfinden (dabei geht es nicht um Profit, sondern darum, nicht vergessen zu werden).

Auf unsere Frage, ob man die Mensa als Lernort für Studis nutzen kann wurde uns geantwortet, dass momentan ein Konzept fehlt, das sicherstellt, dass sich alle Studis an die Corona-Maßnahmen halten. In Weingarten (einem anderen Seezeit Standort), wird die Mensa bereits von Studierenden genutzt, die von Aufsichtspersonal kontrolliert werden.

Des Weiteren werden die Mensapreise dieses Jahr trotz jahrelangem Verlustgeschäft nicht erhöht werden, Studis werden also während der Corona-Krise nicht mehr belastet.

Psychologische Beratungsstelle (PBS):

Der Landesrechnungshof wollte Seezeit für die Beratung Geld erheben lassen, wogegen sich Seezeit allerdings gewehrt hat. Personell ist Seezeit gut ausgestattet und auf die Krise vorbereitet. Es gab eine 30%ige Zunahme im Bedarf in den letzten Jahren. Dies ist anscheinend darauf zurückzuführen, dass psychische Betreuung entstigmatisiert wurde und Studis sich nicht mehr schämen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Während des totalen Shut-Downs fand eine Telefon-Beratung statt.

Da das allerdings keinen adäquaten Ersatz darstellt, hat sich Seezeit bei der Uni stark gemacht und durfte als erstes wieder für die Beratung die Räumlichkeiten nutzen. Das ist besonders wichtig, da nur im direkten Kontakt die Härte und Dringlichkeit der einzelnen Fälle eingeschätzt werden kann.

Allgemeiner Ausblick:

Seezeit überlegt zurzeit künftig Gastronomie Kochkurse für interessierte Studis anzubieten. Ganz studierendengerecht soll es dabei nach dem Prinzip: 3 Gänge aus 2 Töpfen vorgehen.

 

Abschließend kann gesagt werden, dass das Seezeit-Team seine Arbeit als sinnerfüllend empfindet und Spaß an der Arbeit hat. Während Corona fehlt besonders der Kontakt zu den Studierenden.

Wir können nur empfehlen, den direkten Kontakt zu Seezeit zu suchen und zu ähnlichen Gesprächen wir unserem einzuladen! Noch einmal vielen Dank für den Austausch!

 

Links zu den Hilfsangeboten findet ihr hier:

https://www.juso-hsg-konstanz.de/corona-nothilfen-und-unterstuetzung/

 
 
 

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